Laurenz Berges | Bernhard Fuchs | Jitka Hanzlová

Ausstellungsdauer: 28. 3. - 17.5. 2014

19.03.2014
Bernhard Fuchs - -Obstbäume, Laimbach, 2010-, C-Print, 23,5x21cm
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Jitka Hanzlová - untitled. aus der Serie "HIER" . 2003 - 2010
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Laurenz Berges - Altenburg, 1992
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Laurenz Berges | Bernhard Fuchs | Jitka Hanzlová

in der Bibliothek:
Bilder aus den Sammlungen der Künstler

Eröffnung am 27. 3. 2014, 19:00 Uhr
Ausstellungsdauer: 28. 3.  –  17. 5. 2014
Öffnungszeiten: Di – Fr 15 – 19 Uhr, Sa 11 – 15 Uhr



Seit ihrer gemeinsamen Studienzeit in Essen und/oder Düsseldorf haben sich die befreundeten Künstler, Laurenz Berges, Jitka Hanzlová und Bernhard Fuchs, in ihrem Werk kontinuierlich mit Fragen des dokumentarischen Stils beschäftigt. Ihren Arbeiten gemeinsam ist eine kontemplative Bildauffassung und ein beharrliche Konzentration auf gültige Bilder von Orten und Menschen. Ihre Werkgruppen entstehen über längere Zeiträume. Immer geht es um Bilder alltäglicher Konstellationen, in denen das Dargestellte allgemeingültig aufscheint. Mit den klassischen Wirklichkeitsstrategien des analogen Mediums Fotografie entwickeln sie Bildzyklen, die sowohl als Wandbilder wie auch in Buchform ihre Öffentlichkeit finden.

Laurenz Berges fotografierte von 1991 bis 1995 verwaiste (Lebens-) Räume in aufgelassenen Kasernen der ehemaligen Sowjetarmee nach deren Abzug aus dem wiedervereinten Deutschland in Brandenburg. In einer Art Spurensicherung von leeren Räumen gelingen ihm nicht nur gültige Zeitdokumente, sondern auch Bilder mit großer assoziativer Kraft durch die die emotionale Auseinandersetzung mit dem Thema.

Wie in gesamten Werk von Jitka Hanzlová spielt das Autobiografische, die Erinnerung und die Frage nach Identität eine wichtige Rolle. Ihre Wahlheimat ist seit nunmehr dreißig Jahren das Ruhrgebiet, wo auch die Werkgruppe HIER entstanden ist: zufällige Begegnungen von Mensch und Natur im urbanen industriegeprägten Umfeld - doch sie fügen sich nicht wie Zahnräder ineinander, die Beziehung zwischen ihnen bleibt offen.

Die Rückkehr an die Orte der Kindheit ist ein immer wiederkehrendes Thema bei Bernhard Fuchs. Seine Serie Höfe zeigt Bilder von kleinbäuerlichen Betrieben aus seiner Herkunftsgegend im oberösterreichischen Mühlviertel. Sein dokumentarisch geprägter Stil zeigt seine Höfe in einer von Jahreszeitlichkeit bestimmten Kulturlandschaft, in der das menschliche Leben ganz ohne Personen abzubilden sichtbar wird.


Laurenz Berges

Die leeren Kasernenräume in Ostdeutschland werden durch die Bilder von Laurenz Berges zu geschichtlichen Behausungen, zu »Orten der Erinnerung« (Virginia Heckert). Doch werden die Spuren der Geschichte nicht nur durch Ablichtung, durch Verkopplung festgehalten. Sie werden zu wirklichen Bildern geformt. Der wichtigste Faktor der Gestaltung — und gewissermaßen auch der »tatsächlichen« Geschichte — ist das Tageslicht. Der Blick auf das schlichte Handwaschbecken mit den Spuren des über ihm ehemals montierten Spiegels ist in mehrfacher Weise geprägt von Licht, das durch ein unsichtbares Fenster fällt und kaum merklich ein unscharfes Fensterkreuz auf das kleine weiße Porzellanbecken und die Fehlstelle des Spiegels wirft. An die Stelle des Spiegels als Tor in eine andere, vielleicht bessere Welt ist das Tageslicht getreten. Als natürliche, lebendige Kraft der Gestaltung überwindet, verdrängt und hebt es in einem historischen Bildwerdungsprozess das Vanitas-Motiv auf und macht vergangenes Geschehen erneut der Wahrnehmung zugänglich. Mit den Bildern von Laurenz Berges sind die Geschichten der Menschen in den Kasernen von Karlshorst, Schönwalde, Potsdam, Wünsdorf und anderswo der Erinnerung und dem historischen Eingedenken zugänglich gemacht und damit tendenziell vor dem Vergessen bewahrt. In seinem Verzicht auf die erhöhte Perspektive, auf die voreilige Bedeutungszuweisung und im Vertrauen auf die Bildentstehung durch das behutsam die Räume modellierende Tageslicht ist ein Zyklus entstanden von »beinahe epischer Größe« (Virginia Heckert).
(Textauszug : Ulrich Bischoff)

Bernhard Fuchs

Auf meinen Wegen durch die Gegend um Helfenberg stieß ich immer wieder
auf die anhaltenden Veränderungen an den kleinbäuerlichen Betrieben. Die 
Bauernhöfe liegen zersiedelt in der hügeligen Landschaft des Mühlviertels und werden
großteils als Mischwirtschaften betrieben, was sich in der Bauweise der
 Höfe und in den angrenzenden Flurformen widerspiegelt. Das Klima ist
 rau, der Boden eher karg. Ackerbau, Forst- und Grünlandwirtschaft für
die Viehhaltung, im Großteil Milchkühe, sind für die Gegend prägend. Die
 Höfe werden meistens als Nebenerwerbe betrieben und von Generation zu 
Generation weitervererbt. Der Strukturwandel fordert aber auch hier
 seinen Preis. Die Stallhaltungen müssen 
umgestellt werden, die erforderlichen Investitionen steigen und häufig findet sich für die Übernahme des Hofes kein Nachfolger mehr. So werden in jüngster Zeit viele der kleinbäuerlichen Betriebe
 aufgegeben.
(Text: Bernhard Fuchs)


Jitka Hanzlová

In der 2010 abgeschlossenen Werkreihe „HIER“ hat die gebürtige Tschechin, die 1982 in die Bundesrepublik floh und seither in Essen lebt, ihre Wahlheimat zum Thema gemacht. Der Grundstein der Serie liegt im Jahr 1998, als Hanzlová begann, sich intensiv mit den rekultivierten und renaturierten Landschaftsräumen der von Bergbau und Industrie devastierten Flächen im Ruhrgebiet auseinanderzusetzen. Erst 2006 – nach anderen umfangreichen Serien – setzt sie die Arbeit an „HIER“ wieder fort und vervollständigt den Zyklus durch Porträts von knorrigen Einheimischen sowie durch Stillleben und Aufnahmen von Architekturdetails, die sich erstmals in ihrem Werk bis an den Rand einer abstrakten Metaphorik tasten. Doch am meisten fällt die eigentümliche Distanz, die Hanzlová zu ihrer Umgebung und ihren Modellen hält, ins Auge. Eigentümlich deshalb, da in ihr nicht der kühle Abstand eines Forscherblicks zum Ausdruck kommt, sondern ein zurückhaltendes Bemühen um die Wiederherstellung von etwas Ganzem. Wo Gursky künstliche Welten synthetisiert, versucht Hanzlová so etwas wie eine psychologisch-soziale Synthese von Mensch und Umfeld.
(Textauszug: Eric Aichinger)

In der Bibliothek zeigen die drei KünstlerInnen je ein Original-Referenzbild aus ihren Sammlungen:
Stephen Shore (Sammlung Fuchs)
August Sander (Sammlung Hanzlová)
Michael Schmidt (Sammlung Berges)


Laurenz Berges, geboren 1966 in Cloppenburg / Deutschland, lebt und arbeitet in Düsseldorf.
Bernhard Fuchs, geboren 1971 in Haslach an der Mühl / Oberösterreich, lebt und arbeitet in Düsseldorf.
Jitka Hanzlová, geboren 1958 in Nachod / Tschechien, lebt und arbeitet in Essen.


Ab 24. 5. 2014 wird die Ausstellung Berges | Fuchs | Hanzlová in der Galerie Wilma Tolksdorf in Frankfurt zu sehen sein.