Gerti Deutsch − Life in Japan

Ausstellung im FOTOHOF archiv: 24. Jänner − 27. Juli 2019

17.01.2019
Gerti Deutsch - aus der Serie: Life in Japan 1960
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Gerti Deutsch – Life in Japan (1960)


Die neue FOTOHOF archiv Präsentation „Life in Japan“ der Fotografin Gerti Deutsch gibt einerseits einen Einblick in Kultur und Alltagsleben in Japan im Jahr 1960, andererseits werden unterschiedliche Ausdrucksformen und Gebrauchsweisen der Fotografie sichtbar gemacht.

Nach dem Beginn einer erfolgreichen Karriere als Fotojournalistin für eine der ersten moderne Illustrierten, der Londoner „Picture Post“, nimmt Gerti Deutsch 1960 eine mehrwöchige Einladung der japanischen Kameraindustrie an, das Land für eine Fotoreportage zu besuchen. Mit dem Blick einer Europäerin fotografiert sie Kultureinrichtungen, Industrie, ursprüngliches Landleben, Menschen auf der Straße - sie ist in ihren Bildern auf der Suche nach Berührungspunkten von Tradition und Moderne in Japan. Heute wissen wir, dass diese Zeit tatsächlich eine des entscheidenden Wandels in der japanischen Gesellschaft war.

Das FOTOHOF archiv besitzt den sehr umfangreichen Nachlass dieser Reise, der sowohl die Negative als auch die Originalbilder einer 1962 in London veranstalten Ausstellung von Gerti Deutsch umfasst. Der Aufgabe eines Archivs für Fotokunst gemäß, zeigen wir in dieser Werkschau eine Auswahl von großformatigen analogen Bildern, aufgezogen auf Hartfaserplatte, wie es dem Zeitgeist der 1960er Jahre entsprach. Daneben stehen digitale Kopien von damals nicht beachteten Motiven, die jetzt durch Mitarbeiter des Archivs ausgearbeitet wurden. Eine besondere Rarität sind auf Karton im geplanten Layout montierte Druckvorlagen für ein Buch über Japan, das aber nie verwirklicht wurde. Darüber hinaus gibt es Beispiele der Verwendung ihrer Fotos in zeitgenössischen Zeitschriften, Dokumente zu ihrer Reise und schließlich großformatige Kontaktkopien ihrer Filme, die das „visuelle Tagebuch“ der Fotografin sind.

Die neue Präsentation des FOTOHOF archiv versucht in der Tradition einer Werkschau Einblick in die wissenschaftliche Arbeit des Archivs mit dem fotografischen Nachlass zu geben und die verschiedenen Gebrauchsweisen der Fotografie von der Zeitschriftenreportage bis zur Kunstausstellung darzustellen.

Biografie: Gerti Deutsch (*1908 in Wien, †1979 in Leamington Spa, UK) war Fotografin. Sie lebte und arbeitete in Österreich und England.

Ausbildung
Aufgewachsen als einziges Kind einer jüdischen Familie begann sie mit 16 Jahren an der Wiener Musikakademie zu studieren. Ihr Karriereziel Pianistin konnte sie jedoch aufgrund einer Neuritis nicht erreichen und wandte sich daraufhin der Fotografie zu. Ihre fotografische Ausbildung erhielt sie von 1933 bis 1934 an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien.
Nach Aufenthalten in Paris und London –  sie glaubte dort als Frau beruflich ernster genommen zu werden als in ihrer Heimat – kehrte Gerti Deutsch kurz nach Wien zurück. Wegen des zunehmend schlechten Klimas für Juden und den besseren Berufsaussichten übersiedelte sie jedoch bald dauerhaft nach London. 1936 hatte sie ihre erste Ausstellung im Österreichischen Kulturverein in London, einem Vorläufer des Österreichischen Kulturforums. 1938 begann sie als freiberufliche Fotojournalistin und Redaktionsfotografin für die Zeitschrift Picture Post zu arbeiten. Im selben Jahr heiratete sie den damaligen stellvertretenden Chefredakteur Tom Hopkinson. Dieser Ehe entstammen die beiden Töchter Nicolette (heute: Nicolette Roeske) und Amanda.

Fotografische Laufbahn
Zwischen 1937 und den frühen 1960er Jahren produzierte sie zahlreiche Fotoreportagen für die Zeitschriften Picture Post, Nova, Holiday, Queen, Harper's Bazaar, The Tatler und den Schweizer Magazinen Atlantis und L'Oeil. Zu ihren wichtigen Reportagen zählen unter anderem: „Ihr erster Tag in England (1938)“, die Fotografien über die Flüchtlingstransporte jüdischer Kinder aus Nazideutschland nach England zeigt, und die Dokumentation des besetzten Nachkriegs-Wien (1948). In den 1950er Jahren kooperierte sie öfter mit der ebenfalls aus Österreich emigrierten Fotografin Inge Morath. In Deutschs Nachlass finden sich zahlreiche Fotografien, die von beiden Fotografinnen signiert sind; über das genaue Ausmaß der Kooperation ist jedoch nichts erhalten. Des Weiteren hinterlässt Deutsch mehrere Entwürfe zu nicht verwirklichten Buchprojekten, erhalten in Form von Maquetten. Wegen ihrer großen Liebe zur Musik porträtierte sie immer wieder Größen der Musikwelt wie Yehudi Menuhin, Benjamin Britten, Arturo Toscanini, Wilhelm Furtwängler, Herbert von Karajan oder Irmgard Seefried. Die Musikerporträts nahm sie oft in Salzburg oder Wien auf. In den 1960er Jahren zog sich Gerti Deutsch von der Fotografie zurück und übersiedelte von London nach Salzburg.
Während ihrer Lebenszeit hatte Gerti Deutsch zwei große Ausstellungen: die erste 1958 über Österreich im „Austrian Institute“ und eine über Japan, die 1962 anlässlich der „Trade Fair“ in der Londoner Olympia-Messehalle stattfand. Sie beruhte auf einem Auftrag, der ihr über die japanische Botschaft in London zugegangen war. Nach ihrer Wiederentdeckung gab es eine Ausstellung im Österreichischen Kulturforum in London von Februar bis Mai 2010 und in Berlin im Januar 2011, gefolgt von einer umfangreicheren in der Galerie Fotohof in Salzburg von Juni bis Juli 2011. Es existiert derzeit keine vollständige Liste der Arbeiten von Gerti Deutsch.


Ausgewählte Ausstellungen

1957, Austrian Institute, London: „Gerti Deutsch – Images from Austria and England (1932–1952)“
1962, Trade Fair Olympia, London: „Life in Japan“ (Die erste und zu Lebzeiten einzige Ausstellung der Japan-Bilder)
3.2. – 11. 5. 2010, Austrian Cultural Forum, London, “Gerti Deutsch – Between Vienna and London, Images from Austria and England (1932–1952)“
January 2011, Austrian Cultural Forum Berlin “Gerti Deutsch – Between
Vienna and London, Images from Austria and England (1932–1952)“
22.6. - 30.7.2011, FOTOHOF, Salzburg: „Gerti Deutsch: Photographs
1935-1865“
23. 10. 2012 – 3.3. 2013, Jüdisches Museum, Wien: „Vienna’s Shooting Girls – Jüdische Fotografinnen aus Wien“
26. 7. - 26.10.2014, Museum der Moderne, Salzburg (Gruppenausstellung): „Kunst/Geschichten“
29. 9 2016 - 5. 3. 2017, DAS VERBORGENE MUSEUM, Berlin: „Gerti Deutsch und Jeanne Mandello - Schicksal Emigration“