Beutezüge. Systeme des Eigennutzes – Mechanismen der Plünderung

von 23.11.2012 bis 12.01.2013
Ausstellungsübersicht, G.R.A.M, Lara Baladi, Taysir Batniji, Zanny Begg, Maryam Jafri, Vassiliea Stylianidou, Moira Zoitl, Lina Khatib, Sabine Winkler

G.R.A.M. - Hohes Haus (Kiew) C-Print, Alu Dibond, 183 x 263, 2010/11 Foto: Gert Heide
 

Ausstellung:
Beutezüge. Systeme des Eigennutzes – Mechanismen der Plünderung
Lara Baladi, Taysir Batniji, Zanny Begg, G.R.A.M., Maryam Jafri, Lina Khatib, Vassiliea Stylianidou, Moira Zoitl

Kuratiert von: Sabine Winkler
Die Ausstellung findet in Kooperation mit der Arbeiterkammer Salzburg statt.


Ausstellungsdauer: 23.11. – 12.1.2013
Öffnungszeiten: Di – Fr 15 – 19 Uhr, Sa 11 – 15 Uhr
 

Beutezüge. Systeme des Eigennutzes – 
Mechanismen der Plünderung

Die Ausstellung thematisiert unterschiedliche Methoden und Funktionsweisen von Beutegenerierung am Beispiel der Finanzkrise und der gestürzten arabischen Diktatoren. Acht internationale Künstler und Künstlerinnen erforschen Mechanismen der Ausbeutung und deren Folgewirkungen.

In den letzten Jahren hat sich in der Dramatik der Ereignisse immer mehr ein Motiv herauskristallisiert, das sowohl der allgemeinen Finanzkrise als auch den Ereignissen in der arabischen Welt zugrunde liegt: Ausbeutung und Systeme des Eigennutzes sind Mechanismen der Plünderung, die als Neoliberalismus im demokratischen Gewand oder nackt als autoritäres Regime daher kommen. Die Möglichkeiten der Ausbeutung sind grenzenlos. Realitätsverlust kennzeichnet die Akteure beider Systeme. Die Beutemechanismen der Finanzwirtschaft sind in ihrer Abstraktheit schwer nachzuvollziehen. Die Rettung der Banken und Großkonzerne geht zu Lasten der Bevölkerung, die über Jahrzehnte hinweg die Spielschulden der Banken bezahlen wird: ein Sparpaket folgt dem anderen. Durch diese Form der Umverteilung wird eine Eliminierung des Sozialstaates betrieben. Finanzielle Mittel, die für die Allgemeinheit bestimmt sind, werden hin zu Banken und Großkonzernen verschoben.

In den arabischen Revolutionsländern übernahmen die Diktatoren Techniken der Ausbeutung von den ehemaligen Kolonialmächten und wurden von der westlichen Welt so lange unterstützt, solange die Geschäftsbeziehungen stimmten. Die Diktatoren perfektionierten bereits vorhandene Netzwerke der Korruption, die alle Gesellschaftsschichten durchzogen. Durch autoritäre und hierarchische Regime, die in Clans, feudalen oder mafiösen Gruppierungen eigennützig agierten, schufen sie Alltagsdesaster und Perspektivlosigkeit, besonders für die junge Bevölkerung. Diese direkte Konfrontation mit Ausbeutung war mit ein entscheidender Grund für die Entstehung der Protestbewegungen in den arabischen Revolutionsländern. Ausgehend von diesen aktuellen Entwicklungen wird in der Ausstellung die Frage nach historischen, kolonialen und ideologischen Referenzsystemen von Ausbeutung gestellt. Welche Illusionen werden aus dem Hut gezaubert, wo treffen die unterschiedlichen Formen der Beutegenerierung aufeinander und wie hängen sie zusammen? Wer bereichert sich auf wessen Kosten?

Lara Baladi erforscht in ihrer Arbeit Hope den inoffiziellen Wohnungsbau in Kairo, der als Produkt informeller oder nicht vorhandener Arbeit gesehen werden kann und korrupte Verbindungen widerspiegelt.

Taysir Batniji fotografiert zerbombte Häuser in Gaza und präsentiert sie in Immobilien-Exposés, um auf tradierte und aktuelle Beutegewinnung durch Landeroberung und Immobilienaneignung hinzuweisen.

In Treat or Trick  inszeniert Zanny Begg mit Hilfe einer Zauberei-Metapher die auf Illusionen beruhende unsichtbare Hand des Marktes, die eben nicht wie durch Zauberhand den Markt reguliert. Zanny Begg fragt nach der Bedeutung irrationaler Glaubensmechanismen innerhalb des Finanzmarktes.

In der Fotoserie Hohes Haus stellen G.R.A.M. Szenen von Schlägereien in unterschiedlichen Parlamenten nach, reinszenieren Fotos von Parlamentarier-schlägereien, die in Zeitungen veröffentlicht wurden. G.R.A.M. zeigen körperlich ausgetragenen Interessenkampf innerhalb ideologischer Systeme und verweisen auf Verbindungen von politischer und ökonomischer Beutegenerierung. Das in der Ausstellung präsentierte Foto einer nachgestellten Kampfszene ukrainischer Politiker im Parlament in Kiew kann beispielsweise im Kontext der Verlängerung der Stationierung der russischen Schwarzmeerflotte auf der Krim und der Reduzierung des Gaspreises für die Ukraine gesehen werden.

Maryam Jafri kombiniert in Collagen Bild- und Textmaterial aus Zeitungen unterschiedlicher Epochen und stellt Verbindungen zwischen kolonialen und aktuellen Ausbeutungsmechanismen her, indem sie Methoden der Berichterstattung analysiert.

Lina Khatib zeigt in ihrem Video Fotografien von Werbeplakaten der gefallenen oder sich im Sturz befindenden Langzeitdiktatoren der arabischen Revolutionsländer und führt patriarchale Gesten und Posen vor.

Vassiliea Stylianidou manipuliert Fotografien von Konzernvorständen aus unterschiedlichen Zeitschriften mit Knetmasse und bricht ironisch deren Pose der repräsentativen Selbstdarstellung.

Moira Zoitl recherchiert Arbeitsbedingungen und Ausbeutung von ausländischen Hausangestellten in Hongkong. Im rechtsfreien Raum gefangen, abhängig und den ArbeitgeberInnen ausgeliefert, entwickelten einige der Frauen Modelle des Widerstands gegen diese Form von zeitgenössischer Versklavung.

 

 

 

 

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