Leo Kandl / Susi Krautgartner


Leo Kandl: Free Portraits / Sonja, London 2001
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Leo Kandl – Free Portraits / Susi Krautgartner – Uncanny Valley
Einführung: Stefanie Hoch (Landesgalerie Linz)

Ausstellungsdauer:  19. November– 15. Jänner 2011

Kontinuierlich und konsequent beschäftigt sich der österreichische Fotograf Leo Kandl seit mehreren Jahrzehnten mit dem Genre der Portraitfotografie, wobei die variantenreiche Form der Beziehung zwischen dem Fotografen und seinem Modell das zentrale Thema darstellt.  In „Free Portraits“ stellt er den Kontakt zu seinen Modellen mittels  Zeitungsannoncen her. Dem lapidaren Aufruf, der keinerlei Informationen über den Fotografen und den Kontext der weiteren Verwendung der Bilder beinhaltet, kommen erwartungsgemäß jüngere, aufgeschlossene Menschen aus dem urbanen Raum nach. In verschiedenen städtischen Zentren, London, New  York, Wien  Havanna,  entstanden in der Folge Portraits im öffentlichen Raum, die zum Teil wie schnappschussartige Straßenaufnahmen oder private Fotografien wirken. Die Modelle bestimmen ihre Inszenierung selbst, Kleidung, Pose und Umgebung sind von ihnen gewählt.  Kandls  fotografische Methode lässt Spielräume für emotionale Interaktionen, da das möglicherweise riskante Aufeinanderzugehen zweier unbekannter Personen im Rollenspiel Modell – Fotograf Bilder produziert,  die von Neugier und gelegentlich subtil erotisch aufgeladener Atmosphäre gekennzeichnet sind. Kandls Arbeiten verbinden eine konzeptuell-dokumentarische Vorgehensweise mit dem Interesse an Subjektivität und Individualität des Porträtierten.  Dem Buch ist eine DVD mit einem Interview von einem seiner  Portraitmodelle  beigefügt.

Susi Krautgartner reflektiert im Spiel mit verschiedenen Rollen als Künstlerin Bilder der Frau in der Gesellschaft, ihren Objektstatus und die Instrumentalisierung des weiblichen Körpers in Bildern.

In ihrer (Selbst)porträtserie Uncanny Valley („unheimliches Tal“) bezieht sich Susi Krautgartner explizit auf eine populäre Hypothese eines japanischen Roboteringenieurs aus den 70er-Jahren, der davon ausging, dass künstliche, menschenähnliche Figuren beim menschlichen Gegenüber eine messbare emotionale Resonanz auslösen können. So verursachen Menschenähnlichkeit, wenn diese nicht zu perfekt sei, grundsätzlich Empathie. Anderenfalls würde ein negativer Effekt eintreten. Die Künstlerin nimmt diesen Ball auf und spielt ihn in Richtung des berühmten Aufsatzes Das Unheimliche von Sigmund Freud, der bis heute nicht nur die Wissenschaft, sondern ganze Künstlergenerationen beschäftigt. In diesem Spiel kommt dem Begriff der Empathie eine besondere Bedeutung zu, versucht die Künstlerin doch, diese vom Betrachter durch ihre wechselnde Mimik einzufordern. Die Porträts wirken wie hybride Konstrukte aus einem Cyberspace, einem leeren Raum, befreit von den letzten Resten einer realen Welt. (Michael Mauracher)

Kurz-Biografien (ausführliche Biografien in unserem Künstlerarchiv):  Susi Krautgartner, geboren 1982 in Ried im Innkreis, lebt in Wien. Leo Kandl, * 1944 in Mistelbach, Niederösterreich, lebt und arbeitet in Wien.

Stefanie Hoch, geb. 1980 in Ravensburg, Studium "Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis" an der Universität Hildesheim, Stipendium "Museumskuratoren für Fotografie" der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, seit 2008 Kuratorin an der Landesgalerie Linz

 

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