BEATE GÜTSCHOW I/S


I 1 / 91 x 66 cm
Light Box, 2009
 

Beate Gütschow zeigt in ihrer ersten Einzelausstellung in Österreich fotografische Arbeiten aus den beiden Serien „S“ (Stadtbilder) und „I“ (Inszenierte Innenräume).
Die Künstlerin hat sich schon sehr früh mit den Strategien der digitalen Bildkonstruktion beschäftigt (beginnend 1999 mit ihrer an der Malerei orientierten Landschaftsserie „L“), um so eine kontinuierliche Fragestellung zwischen medialer Wirklichkeit und fotografischer Ikonographie abzuhandeln.
Ihre an die Utopie der Moderne angelehnten Stadträume bestehen aus bis zu hundert digital zusammengefügten Einzelteilen, generiert aus dem umfangreichen, analogen Bildarchiv der Künstlerin. Diese schwarz/weißen Großformate erinnern, wenn auch befremdlich, an die Tradition der Dokumentarfotografie.
In ihrer neuesten Arbeit „I“ setzt sich Gütschow kritisch und spielerisch mit der Bildkultur der Werbefotografie auseinander, indem sie profane Gegenstände - eine Autobatterie, einen Gesundheitsstuhl, ein Overhead Projektor - in ihrem Studio zu einem surreal anmutenden Szenario arrangiert, die in pretiösen Leuchtkästen eine ästhetische Überhöhung finden.

Bei ihren neuen Arbeiten geht es Beate Gütschow um die Bedeutung, die den Dingen durch ihre Handhabung im Bild zuteil wird:  Sie sind merkwürdig ins Licht gerückt und werden durch die Inszenierung Träger von disparaten Assoziationen, die man – für sich genommen betrachtet – nicht auf den ersten Blick mit ihnen in Verbindung bringen würde. Die Inszenierung selbst ist in einigen Bildern deutlich sichtbar: So entpuppt sich ein schwarzer Hintergrund als eine gemalte Fläche, oberhalb derer ein Stück nackte weisse (Studio-) Wand zu sehen ist. Ebenso werden mit einem bestimmten Lebensgefühl und Zeitgeist ehemals in Verbindung stehende Gegenstände, die eben noch als Design-Ikonen und Identifikationsobjekte einer ganzen Generation galten, plötzlich als profane Gegenstände sichtbar. Während in der Food-Photography oft Attrappen von Lebensmitteln statt echtem Essen fotografiert werden, die die vermeintlichen Speisen auf dem Foto noch realistischer aussehen lassen sollen als das tatsächliche Vorbild der verzehrbaren Ware, verhält es sich mit den Arbeiten von Beate Gütschow genau andersherum: Das, was authentisch ist, (und übrigens auch Gebrauchsspuren aufweist), wird so sehr fotografisch präpariert, dass es nun merkwürdig künstlich wirkt.

Friederike Schönhuth

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