Hans Rustler − Musterbilder. Analoge Testfotografien und Interieur-Bilder aus den 30er Jahren

Ausstellung: 18. Jänner − 16. Juni 2018

Hans Rustler, Agfa Photoschule, Beriln 1931
Hans Rustler, Agfa Photoschule, Beriln 1931
Hans Rustler, Aus der Serie „Musterbilder“, Agfa Photoschule, Berlin 1931
Hans Rustler, Aus der Serie „Musterbilder“, Agfa Photoschule, Berlin 1931
Hans Rustler, MUSTERBILDER, 1931 - Mustermappe aus der Agfa Photoschule, Berlin
Hans Rustler, MUSTERBILDER, 1931 - Mustermappe aus der Agfa Photoschule, Berlin
Hans Rustler, MUSTERBILDER, 1931 - Mustermappe aus der Agfa Photoschule, Berlin

FOTOHOF archiv
Sparkassenstraße 2, 5020 Salzburg
Öffnungszeiten nach Vereinbarung

Ausstellung: 18. Jänner − 16. Junil 2018 

Der Salzburger Drogist Hans Rustler hat 1931 in der damals berühmten „Agfa Photoschule“ in Berlin studiert und dort eine beeindruckende Mustermappe hergestellt, die die technischen Möglichkeiten der analogen Fotografie zu seiner Zeit zusammenfasst. Ergänzt werden diese „Musterbilder“ in der Präsentation des FOTOHOF archiv durch Innenaufnahmen der Fotoschule, einer kleinen Auswahl von Bildern aus Berlin und einem Portraitalbum von Hans Rustler.
 
Hans Rustler als Fotograf ist eine Neu-Entdeckung, die durch seine Tochter Renate Rustler-Ourth in Zusammenarbeit mit dem FOTOHOF archiv möglich gemacht wurde.
 
Die Testreihe der Fotos von Hans Rustler reflektiert den Stand der Fotografie im Jahr 1931. Auf Karton aufgezogene Bildserien mit sorgfältigen Beschriftungen zeigen die Bemühungen zur tonwertrichtigen Wiedergabe in der Schwarzweiß-Fotografie und die Steuerung des Kontrastes mit verschiedenen Agfa-Fotopapieren und Entwicklern. Andere Serienbelichtungen experimentieren mit dem Übergang vom orthochromatischen Film (der eine schlechte Empfindlichkeit für die Farbe Rot besaß) zum modernen panchromatischen Film. Weitere Beispiele zeigen die Auswirkungen von Entwicklungsfehlern und die Folgen unsachgemäßer Handhabung bei der Fotoentwicklung. Schließlich gibt es umfangreich Bildblätter verschiedener Methoden zur Tonung von Fotografien; dies war damals weniger eine ästhetische Frage, es diente vielmehr der Verbesserung der Haltbarkeit der Bilder.
 
Eine zweite, umfangreiche Serie gibt Einblicke in die Räumlichkeiten und die Ausrüstung der „Agfa Photoschule“ in Berlin und zeigt einige Aufnahmen der dort beschäftigten Lehrer und der Mitschüler von Hans Rustler. Besonders interessant sind die Einblicke in große Negativ- und Positivlabore, Tageslichtateliers und technische Ausrüstungen wie Filmkameras, Großbildvergrößerer, Vorrichtungen zur Mikrofotografie und Großbildkameras. Neben ihrem Informationswert über die frühe analoge Fotografie sind diese Bilder aber auch zeitgenössische Zeugen zum damaligen Stand der Fotografie und des fotografischen Könnens von Hans Rustler nach einer vermutlich sehr kurzen Ausbildungszeit.
 
In einer Vitrine befindet sich ein komplettes Fotoalbum, das Bilder der Person Hans Rustler von seiner Kindheit bis ins hohe Alter versammelt. Diese Fotos sind vermutlich teilweise Selbstportraits, teilweise aber auch von anderen Fotografen hergestellt. In ihrer formalen Geschlossenheit sind diese Bilder ein seltenes Dokument der langen und ungebrochenen Beschäftigung mit den Möglichkeiten der Fotografie.
 
 
Biografie Hans Rustler
geboren als k.u.k. Österreicher am 1.11.1910 in Liebenstein bei Eger, dem heutigen Libá, in Böhmen. Taufname Johann, gest. 26.08.1988 in Salzburg. 
 
Die Eltern Christoph und Katharina Rustler, geb. Wassermann, besitzen in Liebenstein ein Kolonialwarengeschäft. Nach dem 1. Weltkrieg wird das Sudetenland Teil der Tschechoslowakischen Republik. In der wirtschaftlich schlechten Nachkriegszeit sieht der Bruder Josef Rustler in Liebenstein für sich keine Zukunftsperspektive, wandert 1923/1924 nach Salzburg aus und gründet den Drogengroßhandel „Rustler & Co“ in der Bergstraße. 
 
Hans Rustler bleibt in der Tschechischen Republik, absolviert von 1924 bis 1927 eine Lehre zum Drogisten bei der Firma Wunderlich in Asch, die Drogistenprüfung legt er 1927 in Karlsbad ab und bleibt in der Firma bis zu seiner Einberufung zum Tschechischen Militär im April 1929.
19-jährig absolviert er noch eine Sanitätsausbildung und ist Mitarbeiter der Militärapotheke. Danach wird er Fachdrogist in Marienbad, um bald darauf 1931 zu Studienzwecken nach Berlin zu gehen. Er besucht dort die Agfa-Fotoschule, die eine der ersten Ausbildungsmöglichkeiten im Bereich Fotografie ist. Ein bekannter Absolvent dieser Fotoschule ist auch der Fotojournalist Hilmar Pabel. 
Anschließend geht er wieder zurück nach Marienbad, wo er bis 1934 als Drogist angestellt ist, bevor er im Juli nach Salzburg auswandert und eine kurze Einschulungsphase im Großhandel in der Firma seines Bruders durchläuft. 
Bald danach macht er sich selbständig und eröffnet in der Saint-Julien-Straße die „Adler-Drogerie“. Seine besondere Aufmerksamkeit gehört der Fotografie, worin er in Berlin ein fundiertes Wissen erworben hat.
 
Ende 1939 holt ihn der Zweite Weltkrieg ein. Noch vor seiner Hochzeit mit Barbara Sax erhält er die Einberufung zur Westfront und rückt am Tag nach der Hochzeit ein.
Im Februar 1940 bringt ihn ein Unfall ins Front-Lazarett Landstuhl und er wird aus dem Wehrdienst entlassen. All diese Zeit leitet seine Ehefrau Barbara Rustler mit Angestellten die Firma in der Saint-Julien-Straße alleinverantwortlich weiter.
Einer neuerlichen Einberufung 1942 entgeht Hans Rustler wegen eines Herzleidens und wird nach Salzburg versetzt. Es gibt kaum noch Chemiker, sodass Hans Rustler in der Arzneimittel-Fabrikation eingesetzt wird. Er leitet eine kriegswichtige Einrichtung und erzeugt in einer Baracke, die in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs gelegen ist, Medikamente für die Front. Ihm unterstehen zeitweise über 30 Mitarbeiter, allesamt Frauen.
 
Infolge des Krieges werden sein Vater Christoph Rustler und seine Schwester Luise Rustler aus ihrer Heimat vertrieben und finden Unterschlupf in der Familie in der Saint-Julien-Straße.
Der Besitz in Liebenstein und das Erbe sind verloren, sodass Hans Rustler sich ganz und gar dem Aufbau der Firma widmen muss.
Seiner Leidenschaft, der Fotografie, kann er nicht ganz entsagen. Seine Frau „Betty“ ist sein Lieblingsmodell und er bleibt der Fotografie zeitlebens als Hobbyfotograf verbunden. 
Als Drogist macht er sich bald einen Namen, erzeugt zahlreiche Produkte, ist bekannt für sein Kräuterwissen, seinen Schwedenbitter und diverse Cremen.
Den Drogerie-Betrieb führt er bis zu seinem Pensionsantritt weiter.
(Biografie: Renate Rustler-Ourth)